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Streetart Berlin BlogEin Thema, welches immer wieder die Gemüter verschiedenster Streetartists und politischen AktivistInnen anheizt, ist die Frage nach der politischen Motivation von Streetart.
Hat Streetart (im Allgemeinen) einen politischen Anspruch, oder bedienen sich nur manche Menschen an Formen von Streetart, um politische Botschaften zu übermitteln?
Hat Streetart ‘eigene’ politische Forderungen, oder bedienen sich Streetartists ‘nur’ gesellschaftlichen Diskursen um Öffentlichkeit anzusprechen?
Natürlich kann ich (als Einzelperson) diese oder ähnliche Fragen nicht genau bzw. im Detail analysieren – diesen Anspruch habe ich an mich auch garnicht gestellt! Und das es allgemein gültige Antworten dazu nicht gibt, sollte auch klar sein!
Was jedoch möglich ist, ist einen kleineren Überblick über (wahrscheinliche) Motivationen zu geben, um Außenstehenden im Ansatz zu zeigen, um was es bei Streetart geht.
Streetart an sich ist eine moderne Form der Kunst, die in der Öffentlichkeit überwiegend ‘illegal’ ausgelebt bzw. umgesetzt wird. Öffentlichkeit heißt hier, dass es eben keine Beschränkungen gibt – Alles, jeder Ort wird benutzt, um künstlerische Gestaltungen durchzuführen. Grundlage hierfür ist nicht zwingend der Hang zum Vandalismus, wie von vielen Bürgerinnen und Bürgern angenommen, sondern vielmehr der persönliche Anspruch, den öffentlichen Raum selbst mitzugestalten! Aber auch die Schaffung einer ‘Gegenöffentlichkeit’ als Zielsetzung ist vorhanden. Und hier wird meiner Meinung nach das ganze bereits politisch! Denn eine Kunst, die sich z.B. gegen standardisierte Häuserfronten, kommerzielle Werbung und Überwachung richtet, ist zwingend auch politisch! Als Beispiele hierfür können das so genannte Adbusting, also das kreative Verändern von Werbeflächen, großflächige Paperarts, aber auch Graffitis genannt werden.

Auch werden häufig konsumkritische Forderungen und linkspolitische Parolen aufgegriffen oder direkt politische Kampagnen unterstützt. Beispiele hierfür sind diverse Stencil-Sprühereien, und die UnterstützerInnen-Arts zur ‘Freiheit für Matti’- Kampagne in Berlin, was eindeutig zeigt, dass (zumindest manche) Teile der Streetart/ Graffiti- Szene durchaus politischen Bezug haben. Unterstreichen tun dies Gruppen wie z.B. SMP, die mit Anti-Antisemitischen Slogans am politischen Diskurs teilnehmen.

Dass das nicht heißt, dass politische AktivistInnen und Streetartists zwingender Weise die gleichen Standards haben müssen, sollte Jeder und Jedem klar sein. Zu diesem Thema hat tapete jedoch bereits vor einiger Zeit einen interessanten Artikel verfasst.
Andererseits spielt natürlich bei alledem auch die Selbstdarstellung eine Rolle, denn wer gute und kreative Ideen hat oder besonders interessante Stellen/Orte für seine/ihre Kunst erschließt, erhält oft Anerkennung, nicht nur aus der eigenen Szene, sondern oft auch von Außenstehenden, die dann zwischen guter Streetart und schlechter Streetart (Stichwort: Vandalismus!) unterscheiden.
Als kleines Fazit könnte festgehalten werden, dass viele Streetartists einen politischen Bezug haben, wobei dieser nicht unbedingt durch Slogans ersichtlich sein muss. Denn wie es so schön heißt, das Medium ist die Message, was nichts anderes bedeutet, als dass eben die Art und Weise der Kunst bzw. Umgestaltung bereits eine Botschaft vermittelt, die nicht zusätzlich noch explizit genannt werden muss. Außerdem gehört zu jedweder Kunst, denn das trägt zur Lebendigkeit bei, eine Personalisierung. Bei der Streetart passiert das eben häufig durch KünstlerInnen- und/oder Crew-Namen, was oft fälschlicher Weise als reine Selbstdarstellung interpretiert wird.
Ich hoffe, dass der Text gut belegt, das Streetart eben nicht Vandalismus, sondern politisch geprägte Kunst ist.
Wer Kritik und/oder Ergänzungen hat, kann diesen Artikel gern kommentieren.