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Pisa73 – “I am God still”
Hinter CT`ink verbergen sich die Berliner Urban Art-Künstler Evol und Pisa73, die sich beide in der Hauptstadt ein Studio teilen und deren Artworks zuletzt zum Beispiel bei der Ausstellung Off the Wall – From Vandalism to Urban Art in der berliner Wilde Gallery, sowie der Sticker-Ausstellung im Hatch zu sehen waren.
Mit Letzterem sprachen wir vor Kurzem über seine Stencil-Art, Geld, Geschenke und den Unterschied zwischen Arbeiten für die Straße und denen für Galerien.
berlinpiraten: Woher kommt der Name Pisa73? Was ist CT’ink?
Pisa73: Der Name Pisa kam irgendwann Mitte der Neunziger beim Sprühen zustande. Es steckt rein gar nichts dahinter; mittlerweile fällt mir positiv auf, dass der Name in Kombination mit der Nummer ziemlich selten ist. “CT” stammt auch noch aus alten Graffiti-Tagen und ist die Abkürzung für den damaligen Crew-Namen, der hier aber nicht dringend ans Licht gezerrt zu werden braucht.
berlinpiraten: Was genau ist Streetart für dich und wie bist du dazu gekommen?
Pisa73: Hauptsächlich ist der Begriff “Street-Art” stark irreführend, denn theoritsch müssten dann auch die Jongleure an der Oberbaumbrücke und jegliche Ausdrucksform im öffentlichen Raum dazugezählt werden. Ich möchte Dingen nicht immer ein Label aufdrücken und versuche daher, diesen Begriff zu vermeiden – im Umgang mit Jemandem, der sich in dieser Richtung gar nicht auskennt, ist es allerdings häufig der einzige Begriff, unter dem er sich etwas vorstellen kann.
Für mich persönlich umfasst Streetart kreative Ausdrucksformen im öffentlichen Raum (ohne Jongleure, Saxophonisten, etc…) wie Graffiti, Plakate, Sticker, Installationen und so weiter. Zwangsläufig muss das im öffentlichen Raum passieren, sonst stimmt die Bezeichnung nicht mehr.
Ich selbst bin mehr oder weniger reingschlittert. Da ich mittlerweile eigentlich nichts mehr auf der Straße hinterlasse, stimmt die Bezeichnung auch nicht mehr. Ich benutze lediglich nach wie vor die gleichen Werkzeuge und bediene mich einer bestimmten Ästhetik.
Pisa73 – Foul! Repulsive! Detestable!
berlinpiraten: Warum ausgerechnet Stencil-Art?
Pisa73: Schablonen sind ein prima Zwischending zwischen Siebdruck und Fotografie. Im gegensatz zu freier Malerei habe ich mehr Kontrolle über das Ergebnis – außerdem übersteigt das, was ich darstellen möchte, meine zeichnerischen Fähigkeiten. Dazu kommt noch, dass ich mit der selben Schablone in einem anderen Kontext eine völlig andere Aussage machen
kann, obwohl das zentrale Element gleich geblieben ist.
berlinpiraten: Wie sehr beeinflusst Streetart deinen Alltag und was inspiriert dich?
Pisa73: Streetart inspiriert mich so gut wie gar nicht. Mit ausnahme von ein paar Freunden halte ich mich nicht für Teil einer Szene und verfolge auch nicht, was so passiert da draußen. Eentweder ich sehe etwas oder kriege es gezeigt, oder aber nicht. Am ehesten inspiriert mich was ich in den Medien sehe, was in Gesprächen zu Stande kommt und was in meinem Kopf so vor sich geht.
berlinpiraten: Welche deiner Arbeiten ist dir, deiner Meinung nach, am Besten gelungen?
Pisa73: Schwer zu sagen. Was mir von meinen eigenen Sachen am besten gefällt, hängt von meiner Tagsform ab. “I am god (still)” mag ich gerne.
berlinpiraten: Wenn dein Stil ein Song wäre, welcher wäre es dann?
Pisa73: Keine Ahnung…Ich glaube, das sollte jemand anderes beurteilen, da ich nicht mal sagen kann, was genau mein Stil ist.
berlinpiraten: Ist es deiner Meinung nach möglich mit Kreativität Geld zu machen? Kannst du es?
Pisa73: Offensichtlich lässt sich mit Kreativität Geld verdienen – bei den Meisten von uns ist das leider nicht unbedingt üppig. Ich komme damit zumindest über die Runden.
berlinpiraten: Gibt es Unterschiede bei Arbeiten für die Straße und denen für Galerien?
Pisa73: Für die Straße bestimme Arbeiten halte ich für kompromissloser. Die Straße ist im Prinzip schon eine Art Galerie, nur kann dort Niemand etwas kaufen. Bei der Zusammenarbeit mit einer Galerie ist der Gedanke ans Verkaufen da, was die Gefahr birgt, dass man vergisst, was einen ursprünglich motiviert hat. Allerdings habe ich mittlerweile öfter den Eindruck, dass auf der Straße so Mancher geziehlt Marketing betreibt.
Pisa73 – Do not be fooled
berlinpiraten: Was müsste ich tun um eine deiner Arbeiten geschenkt zu bekommen?
Pisa73: Interessante Frage. Es kann helfen, ein guter alter Freund von mir zu sein und zu heiraten.
berlinpiraten: Welche Reaktion willst du mit deiner Kunst bei BetreachterInnen auslösen?
Pisa73: Unterschiedlich. Hängt auch vom Betrachter ab. Manche möchte ich ärgern, bei Anderen hoffe ich, dass sie mich verstehen. Letzten Endes kommt es aber nicht so sehr darauf an, was der Betrachter denken könnte, sondern ich muss versuchen, meiner eigenen Vorstellung gerecht zu werden. Bei einer fertigen Arbeit werde ich dann selbst zum Betrachter, allerdings habe ich Einfluss darauf, ob Andere sie zu Gesicht bekommen oder nicht.
berlinpiraten: Woher nimmst du deine Motive und wie wählst du sie aus?
Pisa73: Zum Teil benutze ich eigene Fotos, zum Teil grase ich das Internet ab, bis mich ein Foto buchstäblich anspringt.
berlinpiraten: Denkst du dass es einen wesentlichen Unterschied zwischen Streetart und Graffiti gibt? Oder ist das für dich alles Urban Art?
Pisa73: Urban Art trifft es am Besten. Die Protagonisten unterscheiden sich scheinbar erheblich und bringen auch öfter mal nicht viel Verständnis oder Respekt für Einander auf.
berlinpiraten: Was werden wir in Zukunft von dir sehen?
Pisa73: Gute Arbeiten, hoffe ich.
berlinpiraten: Was würdest du einem Menschen empfehlen, der/ die selber aktiv werden möchte?
Pisa73: Hm. Dran bleiben? Und auf die Gefahr hin, wie ein abgehobener alter Sack zu klingen: Manchmal den Ball flach halten, wenn man etwas erst seit drei, vier Jahren betreibt.
berlinpiraten: Danke für die Zeit, die du für uns geopfert hast und deine interessanten Antworten. Viel Erfolg weiterhin!
Wer sich für weitere Infos zu CT’ink, Pisa73 oder Evol interessiert, schaut sich am Besten mal ihr Buch A/React an, dass im Mai letzten Jahres erschienen ist. Es zeigt den Weg von der zufälligen Idee bis zur Umwandlung in eine eigene Ausdrucksform wie Gemälde, Poster, Sticker und Installation und erklärt die Motivation, der Beiden Urban Artists, die dahinter steht.
Neuigkeiten und Fotos ihrer Artworks findet ihr unter pisa73.blogspot.com, pisa73artwork.blogspot.com, pisa73.com und evoltaste.com.
[...] gehört zusammen mit seinem Kollegen Pisa73 zur Urban Art Crew C’Tink. Beide arbeiten seit Jahren an ihrer Stencil-Technik und haben [...]
[...] bei vielen anderen KünstlerInnen vergeblich sucht. Aus diesem Grund kann ihm und seinem Kollegen Pisa73 ohne Angst unterstellt werden, dass sie die Technik der Schablonen Graffiti perfektioniert [...]
Auf http://www.strasserauf.de läuft noch diesen Monat ein ziemlich interessantes Rätsel-Gewinnspiel was ich gerne allen empfehlen möchte. Das proud magazine (www.proudmagazine.de) hat in der aktuellen Ausgabe auch ein Feature darüber gebracht (http://proudmagazine.de/2009/11/13/strasserauf-part-02-kunst-verratselung-gewinnspiel/).
Es gibt wirklich tolle Preise für alle Kunst interessierten. Wer die Antworten zum Rätsel kennt, kann sie ja mal hier posten.
Pisa73 ist auch vertreten.