Welcome to the
Streetart Berlin BlogFortsetzung des Luna Park Interviews…
Luna Park by Michael Natale
Ist es nicht ein Zeichen von Wertschätzung, dass es Streetart-Sammler gibt?
LP: Naja. Viele Jüngere überkleben einfach Stücke von bekannten Künstlern, weil sie wissen: Wenn sie daneben kleben, werden sie fotografiert. Ein Freund von mir geht deswegen nur noch in unglaublich abgelegene Ecken, um seine Arbeiten anzubringen. Da klebt er und ruft danach ein paar ausgesuchte Fotografen an, um ihnen zu sagen, wo sie die Sachen finden. Allerdings: Wenn es ihn ärgert, dass jemand seine Sachen überklebt, darf er halt eigentlich nicht nach draußen. Das ist eben die Straße: Da hat man Glück oder Pech. In Berlin scheint es zur Zeit auch unheimlich abzugehen.
Bist Du häufiger da?
LP: Ja. Letzten Sommer war ich zum Beispiel wieder in Berlin. Auf einem Streifzug in Kreuzberg bin ich an einer uralten Fabrik vorbeigekommen, im Zaun ein Loch. Ich habe schon überlegt, soll ich, soll ich nicht? Auf einmal kam ein junger Mann mit dem Fahrrad angeradelt, mit einem Korb voller Farbe. Wir haben uns nur angeschaut und wussten gleich Bescheid. Er hat mich mit rein genommen, er und Freunde wollten da malen. Das Blöde war: Ich hatte einen Rock und Flip Flops an, da kann man einfach nicht gut Röhren hochklettern oder dergleichen.
Mal abgesehen von unpraktischer Kleidung: Glaubst Du, dass es für Dich als Frau in dieser Kunstszene schwieriger ist?
LP: Höchstens auf den Touren. Es gibt gewisse Ecken in New York, in die ich mich allein nicht traue, und in manchen Situationen sagt mir mein Instinkt, das könnte für mich als Frau gefährlich sein. Das ärgert mich zum Teil auch, zugeben zu müssen, dass ich durch mein Geschlecht in gewissen Dingen eben doch noch eingeschränkt bin. Aber ich lebe lange genug hier in New York, um Situationen einschätzen zu können.
Die Frage muss jetzt einfach kommen: Schon mal in den U-Bahntunneln gewesen?
LP: Ich selbst war noch nicht in den Tunneln. Man muss auch Grenzen ziehen, und für mich liegt die Grenze da, wo es lebensgefährlich wird. In den Tunnel zu gehen, ist viel zu riskant. Die Züge, die vorbeirasen, die verrückten Obdachlosen, die da leben – ich habe schon so viele Horrorgeschichten darüber gehört…und dann gibt es ja auch noch die Sicherheitsbeamten, denen man ausweichen muss. Wenn man unerfahren ist wie ich, muss man sich seine Begleitung sehr gut aussuchen, jemandem sehr vertrauen, um sich da hin zu wagen. Ich hatte erst neulich wieder eine Einladung von einer größeren Gruppe, die ich kenne, mit ihnen in die Tunnel zu gehen. Aber das waren zu viele, da hatte ich kein gutes Gefühl.
Du bist in relativ kurzer Zeit recht bekannt geworden. Wie ist das passiert?
LP: Das war ein Schneeballeffekt. Es ist eine weltweite Community, ich kenne inzwischen Leute rund um den Globus. Anfangs war ich sehr positiv überrascht, wie offen die Szene ist. Es war überhaupt kein Problem, auf Touren mitzugehen, alle meinten gleich: Klar, bring Deine Kamera mit. Wenn man malen will, kann man malen, wenn nicht, ist das auch ok. Und irgendwann fingen die Leute an mir zu schreiben: Ich komme nächste Woche nach New York, bist Du vielleicht da und hast Lust, Dich mit mir zu treffen?
Inzwischen habe ich auch auf meiner flickr-Seite alles sehr gut organisiert. Da kommen meine bibliothekarischen Tendenzen durch. Anfangs habe ich das nur zum Vergnügen online gestellt. Aber je mehr ich gesammelt habe, desto mehr wollte ich das als dauerhaftes, richtiges Archiv anlegen. Dadurch ist im Übrigen auch eine bestimmte Konkurrenz mit anderen Fotografen entstanden. Man pusht sich gegenseitig – wer findet das neue Stück von dem und dem, wer schießt das beste Foto und so weiter…Aber jeder hat eine andere Kamera und andere Sichtweisen, insofern ist das immer noch eine positive Konkurrenz.
Für die Fachleute: Welche Kameras und Objektive benutzt Du?
LP: Ich benutze eine Canon EOS Rebel XSI (EOS 450d in europa) mit EF-S 18-55mm f/3.5-5.6 IS Objektiv. Für weit entfernte Rooftop-Graffiti greif ich auf das EF-S 55-250mm f/4-5.6 IS Objektiv zurück.
Bist Du ausgebildete Fotografin?
LP: Ich habe zwar keine fotografische Ausbildung, aber ich weiß, was mir gefällt. Meine Streetart-Ausbildung habe ich im Grunde durch flickr erhalten, bei anderen Künstlern und Fotografen. Die Komposition der Bilder ist für mich kein Problem, das passiert ganz intuitiv.
Hast Du dabei einen bestimmten Stil?
LP: Ich rahme meine Kompositionen. Generell versuche ich, meine Bilder mit einem horizontalen oder vertikalen Marker zu strukturieren. Ich will saubere, detaillierte Fotos machen, in denen nichts von der abgebildeten Kunst ablenkt. Man kann sagen, dass meine Bilder den Versuch widerspiegeln, Ordnung ins Chaos zu bringen. Ich hoffe, dass mein anhaltender Enthusiasmus für Urban Art in meinen Fotos zu erkennen ist. Wenn sie ein Interesse an dieser Kunstform wecken, wenn sie Wertschätzung für diese Kunstform herstellen können, dann ist das für mich ein Erfolg.
Bist Du inzwischen auch kommerziell erfolgreich?
LP: Es fühlt sich nicht richtig an, aus der Kunst anderer Leute Profit zu schlagen.
Ich kenne ja auch viele der Künstler. Das Foto eines Kunstwerks, das ein Freund geschaffen hat, für ein paar hundert Dollar zu verkaufen, fände ich seltsam.
Aber Deine Fotos wurden auch schon ausgestellt.
LP: Ja. Meine erste Ausstellung hatte ich 2007 witzigerweise bei einem Nobel-Möbeldesigner in Brooklyn. Einer der Mitarbeiter dort kannte meine flickr-Seite und mochte meine Fotos. Danach gab es 2008 eine weitere Ausstellung in Brooklyn und Anfang 2009 noch eine in Los Angeles. Das ist natürlich schön, aber reich will ich damit nicht werden. Jetzt habe ich das erste Mal eine Ausstellung für Streetart selbst organisiert, zusammen mit Billi Kid: „The Great Outdoors“. Die Künstler haben alte Türen als Leinwand verwendet, weil Türen der originale und beliebteste Untergrund für Poster, Sticker und Ähnliches ist. Das hat Spaß gemacht, weil man praktisch mit Freunden arbeiten konnte.
Wie wählst Du Deine Motive aus? Welche Sachen gefallen Dir am Besten?
LP: Ich habe immer Phasen, in denen ich bestimmte Sachen fotografiere. Darüber hinaus ist für mich schwer zu sagen, was mich an einem Stück reizt. Künstlerisches Können vielleicht, oder das ästhetische Empfinden des Künstlers. Das schöne an Streetart ist für mich, das man keine künstlerische Ausbildung braucht, sondern im besten Fall nur ein witziges Konzept. Es gibt hier einen Künstler, der macht Graffiti-Skulpturen aus Metall: REVS. Das kenne ich in der Form von niemand anderem und mag es sehr. Andere schnitzen Holz oder arbeiten mit Linoleumdrucken, die nach zwei Tagen wieder abgerissen werden. Elbow-Toe hat für seine Stücke Streetart-Fotografen als Models genommen. Das ist witzig, weil die, die sonst die Entwicklungen aus dem Hintergrund dokumentieren, so wieder Teil des Ganzen werden. Die Vielfalt interessiert mich, jeder hat andere Gründe, auf die Straße zu gehen. Für mich ist die Straße der große Equalizer. Es gibt keine wirkliche Zensur.
Die Visa-Problematik hat sich zum Glück heute ein wenig geändert, zumindest innerhalb Europas… ;) Die Fotos sind großartig man sieht die Leidschaft in Ihnen sehr deutlich…
schöne fotos und vor allem ist es schön, wenn man sein hobby so ausleben kann.
die fotos sind echt super, ich muß aber gestehen das ich noch nicht ganz durch bin mit dem anschauen
hahaha…für mich war Luna park immer der Typ von ihrem flickravatar…thihihi!
Sehr schönes und interessantes Interview. In den USA ist es schon eine ganz andere Szene als hier.
Super Artikel und guter Tipp mit dem flickr Photostream. So etwas suche ich immer.
[...] Wie man annähernd realistische Graffities mit Photoshop erstellt, zeigt ein Tutorial von Kittyluka. Und zum Schluß noch ein Lesetipp: Im Streetart Berlin Blog gibts ein interessantes Interview mit Luna Park, einer der bekanntesten Urban-Art-Fotografinnen: “Streetart meine primäre Freizeitbeschäftigung“. [...]