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Streetart Berlin Blog
Luna Parks „The Great OutDoors“
Ob Streetart oder Graffiti, seit Jahren gehört die in New York lebende Luna Park zu den aktivsten und bekanntesten Urban-Art-FotografInnen! In ihrem Flickr-Photostream befinden sich zur Zeit über 5600 Fotos, fein-säuberlich sortiert in über 130 Sets!
Am 2. Mai startet in Williamsburg die von ihr und Billi Kid kuratierte Ausstellung „The Great OutDoors“, bei der neben Matt Siren, Imminent Disaster und Destroy&Rebuild viele andere Streetart-KünstlerInnen ihre Artworks – beklebte, bemalte, besprühte Türen – präsentieren werden.
Anlass genug die fleißige Fotografin einmal genauer unter die Lupe zu nehmen:
Du sprichst akzentfrei deutsch und perfekt englisch. Wie kommt’s?
Luna Park: Meine Mutter ist Deutsche, mein Vater Schotte. Sie haben sich an der Uni in den USA kennen gelernt. Als sie heiraten wollten, mussten sie das in Kanada tun, weil es Probleme mit dem Visum gab. Kaum zu glauben, dass die eigenen Eltern solche Probleme hatten – aber die waren eben auch mal jung.
Fühlst Du Dich als Amerikanerin oder als Deutsche?
LP: Ich sage immer: I am Mid-Atlantic. Ich bin 1972 in Berlin geboren, aber schon nach wenigen Monaten zog meine Familie nach Australien. Dort kam mein Bruder zur Welt. Dann haben wir eine Zeitlang in München gewohnt, und `78 kamen wir schließlich in die USA. Aufgewachsen bin ich in der Nähe von Philadelphia. Später war ich immer mal wieder in Deutschland: Ein halbes Jahr deutsches Gymnasium während der Highschool, später ein Semester Studium in Hamburg.
Und seit wann bist Du New Yorkerin?
LP: Das kann ich ganz genau beantworten: Ich bin 1997 an dem Wochenende hergezogen, als Prinzessin Diana starb. Ich hatte den ganzen Tag geschuftet und Kisten geschleppt. Am nächsten Morgen bekam ich einen Anruf: Hast Du’s schon gehört?!?
Kein schöner Start.
LP: Nein. In der ersten Woche habe ich nur allein in der Wohnung gehockt, mir nächtelang die Sendungen über Di’s Beerdigung angeschaut und geheult. Ich war in einer fremden Stadt, hatte keine Arbeit, keine Freunde, nichts.
Warum bist Du in so einer Situation nach New York gekommen?
LP: Die Universität, an der ich meinen Bachelor in Germanistik gemacht habe, war sehr progressiv. Dort war ich DJ und ständig unter Künstlern. Meinen Master habe ich an der University of Pennsylvania gemacht, das war die Ivy League, aber wohl gefühlt habe ich mich nicht. Ich wollte da weg und wusste bloß, dass ich im deutsch-amerikanischen Bereich arbeiten wollen würde. Dafür kam nur New York in Frage.
War die Stadt damals noch der Moloch, um den sich die Legenden ranken?
LP: Als ich ankam, war schon viel gelaufen. Ich kenne New York noch aus den 80er Jahren, mein Schultheaterclub reiste zweimal im Jahr in die Stadt, um sich Stücke am Broadway anzuschauen. Wir sind mit dem Bus hergefahren und wurden einfach ausgekippt: Macht mal, ihr müsst nur dann und dann wieder da sein. Ich fand New York äußerst spannend, aber hatte auch als junges Mädchen tierisch Schiss. In dem Moment, wo man hier wohnt, kennt man allerdings seine kleinen Ecken, und ich fühl mich hier äußerst wohl.
Seit den 1990er Jahren arbeiten New Yorker Bürgermeister daran, die Stadt aufzupolieren. Verliert die Stadt Deiner Meinung nach dadurch etwas von ihrem Charakter?
LP: Das ist eine schwierige Frage. Einerseits ist es jetzt viel sicherer, ich mache mir zum Beispiel keine Sorgen mehr, wenn ich abends allein unterwegs bin. Man kann hier inzwischen gut leben. Natürlich leben Graffiti und Streetart allerdings in gewisser Weise davon, dass sie illegale Kunstformen sind. Es gibt aber gewisse inoffizielle Regeln, die leider nur nicht alle befolgen: Kirchen, Kindergärten, Privathäuser sollten im Prinzip eigentlich in Ruhe gelassen werden. Wenn dann mal eine Lagerhalle bemalt wird, ist das etwas anderes, als wenn mein 80jähriger Vermieter plötzlich so etwas an seinem Haus finden würde.
Wie ist die Stadt heute?
LP: New York ist schon seltsam, teilweise sind das hier Zustände wie in der Zweiten oder Dritten Welt. Ich habe lange mit meinem Bruder in einer Wohnung in Greenpoint, Brooklyn, gewohnt. Die lag gegenüber von einem Hühnerschlachthof. Das Fenster vom Zimmer meines Bruders ging auf die Seite raus, auf der der Schlachthof lag. Jeden Morgen um vier kamen die dicken Laster angebrummt und haben palettenweise Hühner abgeladen – die Paletten klatschten, die Hühner gackerten. Und um zehn kamen die nächsten Laster, um die geschlachteten Hühner abzuholen. Eines Morgens meinte mein Bruder: Ich halte das nicht mehr aus. Wir müssen hier weg. Unsere jetzige Wohnung dagegen war ein Glücksgriff. Die Vermieter sind ein nettes altes Pärchen. Die Großeltern der Frau haben dieses Haus hier gebaut, als sie in den 1880er Jahren aus Italien herkamen.
Wann hast Du Dich dafür entschieden, Streetart zu Deinem Motiv zu machen?
LP: Eigentlich kann man so etwas nicht planen. Als ich 1997 nach Williamsburg, Brooklyn, kam, gab es hier vielleicht zwei, drei Bars, einen Pizzaladen an der Ecke und eine kleine Thaiküche. Da hatte man noch das Gefühl: Wow, hier entdeckt man etwas ganz Neues. Ich hatte riesiges Glück, gerade zu dem Zeitpunkt hingezogen zu sein, als Streetart dort richtiggehend explodierte.
Und seitdem interessiert Dich Straßenkunst?
LP: Nein. Ich habe zwar schon immer gern fotografiert und hatte schon als kleines Mädchen eine Kamera. Aber erst vor etwa fünf Jahren habe ich Streetart für mich entdeckt. Damals hatte ich einen Tiefpunkt: Ich habe keine Motive mehr gefunden, das ganze Fotografieren hat mir keinen Spaß mehr gemacht. Dann bin ich eines Tages durch eine Gegend mit lauter alten Lagerhäusern zur U-Bahn gelaufen und habe zufällig ein Stück von Swoon entdeckt. Natürlich wusste ich damals noch nicht, wer sie war, aber da ist mir die Wolle von den Augen gefallen. Das war für mich der Anlass, wieder zur Kamera zu greifen. Das war wie eine schlagartige Erkenntnis. Ich drehte mich um und sah: Da ist ja noch mehr davon, überall. Von da an habe ich immer fotografiert, wenn ich zufällig etwas gesehen habe, das mir gefiel. Schließlich fing ich mit Spaziergängen an, um gezielt zu suchen. Letzten Endes habe ich die Fotos online gestellt und vor etwa zwei bis drei Jahren angefangen, jeden Tag Bilder hochzuladen. Damit habe ich mich natürlich auch selbst unter Druck gesetzt; von da an musste ich jedes Wochenende raus und etwas Neues finden. Als nach und nach immer mehr Künstler mich kontaktierten, um zu fragen, wo ich die Sachen gefunden hätte, habe ich das erste Mal gemerkt: Da ist was, da gibt es eine Community.
Das klingt nach einem zeitaufwändigen Hobby.
LP: Leidenschaft, nicht Hobby. Ich habe eine gewisse Sammlermentalität, und dazu kommt noch so eine Schatzsucher-Persönlichkeit: Ich gehe gern in einen Stadtteil, in dem ich mich überhaupt nicht auskenne, und schaue, was ich da finde. Die Begeisterung treibt mich an. Es macht mir Spaß, ein Teil dieser Bewegung zu sein. Inzwischen ist Streetart zu meiner primären Freizeitbeschäftigung geworden, einen großen Teil meiner Zeit verbringe ich draußen auf der Suche nach neuen Motiven. Das hat mein Verhältnis zur Stadt vollkommen verändert. Wenn ich jetzt Gebäude oder Freiflächen sehe, habe ich einen ganz anderen Blick auf die. Mich interessiert, zu schauen, in welchen Nachbarschaften Streetart zunimmt oder toleriert wird, und welche sozialpolitischen Zustände in diesen Kiezen dadurch sichtbar werden. Ich spüre den Drang, das zu dokumentieren, weil es bald nicht mehr da sein wird, so wahnsinnig, wie sich die Stadt verändert.
Außerdem ist es schon an sich eine vergängliche Kunstform.
LP: Ja. Deswegen habe ich mit überlegt, pieces so zu fotografieren, dass man nicht gleich erkennen kann, wo genau der Ort liegt. Die Kunstwerke werden so schon viel zu oft zerstört oder weggesammelt. Auch, wenn ein Foto sehr gut geworden sein sollte: Erkennt man darauf zum Beispiel einen bestimmten Highway, den die Ortskundigen identifizieren könnten, verwende ich das Bild nicht. Darüber hinaus wird mir ständig vorgeworfen, ich solle meine Fotos mit Geotags kennzeichnen, so dass man die Stücke einfacher wieder findet. Einen gewissen Streetarttourismus zu fördern sehe ich aber überhaupt nicht als meine Aufgabe.
Die Visa-Problematik hat sich zum Glück heute ein wenig geändert, zumindest innerhalb Europas… ;) Die Fotos sind großartig man sieht die Leidschaft in Ihnen sehr deutlich…
schöne fotos und vor allem ist es schön, wenn man sein hobby so ausleben kann.
die fotos sind echt super, ich muß aber gestehen das ich noch nicht ganz durch bin mit dem anschauen
hahaha…für mich war Luna park immer der Typ von ihrem flickravatar…thihihi!
Sehr schönes und interessantes Interview. In den USA ist es schon eine ganz andere Szene als hier.