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Flying Förtress: Vom Graffiti-Tag zum Bär mit Helm

flying förtress: teddy troops serie

Flying Förtress Teddy Troops

Wer kennt sie nicht, diese kleinen Teddy-Trooper Vinyl-Toys? Erschaffen vom Ex-Münchner Flying Förtress, der vom Graffiti über Streetart zu Designer Toys kam, sind sie bereits in etlichen Büchern enthalten und wurden bereits in so einigen Ausstellung präsentiert.

Doch wer steckt hinter diesem ungewöhnlichen Namen? Wir sprachen mit Flying Förtress über seinen Weg durch die Streetart hin zu den Teddy Troops. Vom Graffiti-Tag zum Bär mit Helm:

my name is flying förtress

»Hellö, my name is Förtress«

berlinpiraten: Wie so oft die erste Frage: Wer bist du? Woher kommst du?
Flying Förtress: Ich bin Ich. Mir sand Mir und Ihr seids Euch. Bin gebürtiges Münchner Kind’l. Seit genau 2 Jahren nun aber in Hamburg gestrandet.

berlinpiraten: Warum Flying Förtress? Woher kommt der Name, was hat es damit auf sich?
Flying Förtress: Der Name wurde dem Kampfflugzeug der Amerikaner aus dem 2. Weltkrieg entliehen. Fliegende Festung. Schön paradox. Fliegen als ewiger Wunschtraum des Menschleins nach unendlicher Freiheit und auf der anderen Seite die Festung aus Fels, die Sicherheit und Schutz am Boden suggeriert. Und, mit der drehbaren Geschütztürmen erinnert mich das Flugzeug immer an den “Rasenden Falken” von Han Solo aus “Krieg der Sterne”. Und ich wollte immer schon wie Han Solo sein und nicht Luke der Weichspüler.

berlinpiraten: Seit wann bist du aktiv und wie kam es dazu?
Flying Förtress: Mit “regulärem” Graffiti hab ich schon 1989 begonnen. Mein Einstieg kam ausnahmsweise nicht über Filme wie “Style Wars” sondern an der damaligen Hall Of Fame in München an der Dachauer Strasse. Dort sah ich zum erstmal die Wahnsinns-Murals von Loomit und Won ABC. Die hab ich dann erstmal 1:1 abgezeichnet. Wie man das halt am Anfang der Strasse so macht. Zwischen ‘92 und ‘95 hatte ich dann meine “harten” Jahre im Malen. Als es dann nichts mehr zu reißen gab an der Style- und Sport-Front und dazu noch alle anfingen, verdrehte 3D-Styles zu malen, hab ich mich zurück gezogen und mich neuen Medien während meines Design-Studiums zugewandt. 2000 hab ich dann wieder mit Malen angefangen. Erst mit klassischen Lettern und meinem “alten Namen”. Ab 2002 kam dann der Wechsel vom Graffiti-Tag zu meinem “Bär mit Helm”-Signet.

berlinpiraten: Wie würdest du deine Kunst/ dein Style bezeichnen? Streetart, Urban Art, Pop Art, …? Machst du da Unterschiede?
Flying Förtress: Ich beschränke mich ja nicht auf ein Medium. Also nicht “Streetart” und dann nur Strasse oder stirb. Sparten-Faschismus ist was für Anfänger. Ich sage einfach ich bin Zeichner, weil dass immer noch der erste und wichtigste Schritt ist, meine Ideen und Ästhetik auszudrücken. Style-mäßig bin ich “grafisch, mit dicken Outlines”.

berlinpiraten: Gibt es für dich ein Leben neben der Kunst? Was machst du noch?
Flying Förtress: Sex, Alkohol und Sex. Und wegen Scheiss-Kapitalismus-und-Scheiss-Geld-und-alles-schlecht-aber-ich-kann-mir-ja-meine-Kartoffeln-nicht-selber-anbauen arbeite ich doch noch ab und zu gerne als Freelance Illustrator für diverse Projekte. Da ist der innere Anspruch nicht so gnadenlos wie meinen eigenen Arbeiten gegenüber.

flying förtress graffiti

Flying Förtress Graffiti

berlinpiraten: Deine Teddy Trooper Vinyl-Toys sind sehr beliebt und ständig erscheinen Neue. Wie viele verschiedene Kreationen gibt es denn eigentlich und bist du noch aktiv auf den Straßen unterwegs?
Flying Förtress: Geile Frage. Kommerzieller Erfolg und “Biste noch real” in einem. Direkt und untrennbar und für immer miteinander verwebt… Erfolgspunkte werden Ihnen direkt vom Street-Credibility Konto abgezogen. Oder so…

Also, seit 2004 gibt es die Teddy Troops. Zuerst die “Kleinen” mit 10 cm Höhe und später kam der große Bruder (24 cm) mit abnehmbaren Helm hinzu. Vom großen Teddy Trooper gibt es mittlerweile 13 Varianten. Von den kleinen Troops ist gerade brandneu die Serie 3 erschienen mit 12 neuen Designs. Zuvor gab es bereits die Serie 1 mit drei Fortress Designs als allererstes Release und dann noch Serie 2 mit vier verschiedenen Designs. Zwischendurch gab es ab und zu noch Specials. Die meisten Designs stammen von anderen Künstlern. Entweder handelt es sich um befreundete Künstler oder welche, die ich selber sehr schätze. Mit dabei waren unter anderem Dave The Chimp, The LondonPolice, 123Klan, D*Face,Frank Kozik, Joe Ledbetter, Buffmonster, Parskid, KRSN, Mr.Jago, Seen (ja genau, der Seen aus New York; für mich war das wie ein Ritterschlag), Dalek, und noch einige mehr.

Street-Aktivität:
Ab und zu verteilt mein Chauffeur Sticker aus dem Fenster meines Rolls Royce heraus an die Kids (lacht nicht). Ne, also der Sticker- und Poster-Rowdy, der ich am Anfang war, bin ich heute sicher nicht mehr. Da hab ich mich ausgetobt und dann das Spielfeld in Richtung neuer Herausforderungen verlagert. Sprühen tue ich wie eh und je, weil es einfach Spass macht, mit Freunden gemeinsam was zu an einer Wand zu erschaffen. Obwohl Graffiti ja das Ego-Ding ist, fordert und fördert das Gemeinschaftswerk doch andere Wege. Generell habe ich mich halt davon befreit, irgendwelchen Erwartungen zu entsprechen. Ich mach das jetzt schon so lange, ich will mich nicht jeden Tag anderen beweisen. Besonders nicht den kläffenden Junghunden. Da muss man dann auch mal das Feld räumen für den Nachwuchs. Ich hab mein Ding zumindest immer so gemacht, wie ich es gefühlt habe. Mal intensiv in jener Richtung, dann mal in einer anderen.

berlinpiraten: Wie kamst du eigentlich von Graffiti und Streetart zu den Vinyl-Toys?
Flying Förtress: Die damalige “Insider”-Plattform ekosystem.org war ja fast wie ein “Streetart”-Facebook, sozusagen das soziale Netzwerk der Szene, in dem jeder in den Anfangstagen der Szene noch für eine unbeschwerten Kommunikation offen war. Die Namen waren überschaubar und jeder konnte mit jedem. Alles sehr jungfräulich. Ich habe dort auch meine Arbeiten regelmäßig gepostet, noch bevor ich meine eigene Website zusammen gebastelt hatte. Dort ist dann mein heutiger Produzent Eddi von AdFunutre.com auf meinen Character (also die Teddy Trooper Figur) aufmerksam geworden. AdFunture stand selber noch am Anfang. Und er hat mich gefragt, ob ich Lust hätte, meine Figur in die 3. Dimension zu bringen. Selber hatte ich ja schon auf meinen Reisen begonnen, Figuren zu sammeln. Ich war von Anfang an ein riesiger Fan von James Jarvis “In-Crowd” Figuren. Damals hätte ich mir nie träumen lassen, dass ich selber mal Figuren für Sammler herausbringen würde. Ich hab natürlich freudig zugesagt. Ich selber habe dann einen 2D-Turn-Around gezeichnet und nach dieser Vorlage entstand dann die Teddy Trooper Vinyl Toy Figur Anfang 2004.

berlinpiraten: Und wie entstand die Idee zu den Teddy-Troops? Was inspiriert dich?
Flying Förtress: Die Figur des Teddy Troops ist ja nicht vorsätzlich als Idee für ein Vinyl Toy entstanden. Ich wollte 2002 ja statt einem “chiffrierten” Tag ein klar “lesbares” Icon/Symbol für mich haben. Statt einer Szene-internen Kommunikation wollte ich alle Leute im öffentlichen Raum erreichen. So was funktioniert natürlich besser mit zB. etwas figürlichem als ein kryptischer Graffiti-Tag. Der (Teddy)-Bär hatte mich schon immer begleitet in meinem Schaffen. Und was macht in der ständigen Wiederholung einer Figur mehr Sinn, als die daraus entstehende Armee auch direkt aus Soldaten zu machen?

flying förtress new york graffiti

Förtress-Graffiti in New York

berlinpiraten: Geht es dir vordergründig eigentlich um das Design oder um irgendeine Aussage, die deine Artworks vermitteln sollen?
Flying Förtress: Also, ich bin natürlich schon streng in meiner Gestaltung zu mir selbst. Ich arbeite sehr grafisch und bin auf Ästhetik bedacht. Mal sehen, ob ich in Zeiten einer inneren Krise auch anfange, “freie” Bilder zu malen, die dann wie Pizzabelag aussehen. Somit geht es mir “vordergründig” schon sehr um das Design. Die Aussage ist im Grunde weiterhin die “classic graffiti message”: Ich! (hier in Form des Teddy Troops).

berlinpiraten: Zur Zeit sind deine Artworks ja in der hamburger Woolwill Galerie zu sehen. Was hältst du von dem „into the Gallery“-Trend in der Streetart?
Flying Förtress: Es ist ähnlich wie beim Graffiti. Alles lässt sich nun mal nicht 1:1 vom Medium Straße/Wand/Zug in die Galerien transportieren. Die Arbeit in der Strasse steht ja im Kontext zur Umgebung. Die Hausfassade ist dort ja ein essentieller Teil der Arbeit selbst. Und funktioniert dort eben anders. Ich “erlaube” aber Künstlern sehr wohl, mit ihrem Können und ihrer Kunst auch in traditionellem Umfeld einer Galerie aufzutreten und sich dort zu präsentieren. Oft wird von Street-Artist ja verlangt, dass, wenn sie im öffentlichen Raum gearbeitet haben, sie sich doch gefälligst nur noch ausschliesslich in diesem “Szene-Ghetto” zu bewegen haben. Und Selbst-Limitation ist für mich keine Option.

berlinpiraten: Was müsste ich tun um eines deiner Artworks geschenkt zu bekommen?
Flying Förtress: Schenk mir Geld. Nur zur Sicherheit, dass Du das Geschenk nicht gegen Bares tauschst. Oder komm vorbei, wenn wir nächste Woche in Berlin die FI-Tanke bemalen.

berlinpiraten: Was würdest du einem Menschen empfehlen, der/ die selbst aktiv werden möchte? Was sind die ersten Schritte?
Flying Förtress: Augen auf und sich von der Umwelt (nicht Bio) inspirieren lassen. Nicht gleich mit der erstbeste Idee loslaufen, die ist meistens schon jemand anderem gekommen. Und dann ab dafür! Und nicht gleich erwarten, in kürzester Zeit ein High-Player zu werden, auch wenn Deine Kumpels Dir auf Flickr Props geben. Alles dauert seine Zeit. Nicht hudel’n.

berlinpiraten: Was werden wir in Zukunft von dir sehen? Kommst du vielleicht irgendwann nach Berlin?
Flying Förtress: Ja, ab kommenden Samstag bin ich eine Woche in Berlin. Im Zuge der PICTOPLASMA Character Converence bemalen TheLondonPolice und ich diese Freie Internationale Tankstelle in Berlin Prenzl/Mitte. Also, bring kühles Bier und chill with us. Nuts!

Vielen Dank für deine Zeit und die tollen Antworten! Viel Erfolg und Spaß weiterhin!

Weitere Infos und aktuelle News zu den Teddy Troops und Flying Förtress findet ihr im gleichnamigen Blog, auf der alten Website oder auf der Teddy Trooper Seite!

Diskussion
4 Kommentare zu “Flying Förtress: Vom Graffiti-Tag zum Bär mit Helm”
  1. [...] zugegen war Wer sich ein paar Hintergrundinformationen zu Flying Förtress wünscht kann jetzt das Interview auf dem Streetart Berlin Blog [...]

    Geschrieben von Flying Förtress Interview auf dem Streetart Berlin Blog | ACTIONBORED | March 10, 2009, 13:32
  2. [...] und ihre Artworks. Neben Danny Gretscher, Joumi, und Nina Braun werden sich auch Flying Förtress und The London Police, die die Freie Internationale Tankstelle umdekorieren werden, und [...]

    Geschrieben von Pictoplasma Character Walk 2009 » Streetart Berlin Blog | March 11, 2009, 19:47
  3. [...] in Berlin-Prenzlauer Berg gibt es im Zuge des Pictoplasma Character Walk ab Morgen Artworks von Flying Förtress und The London Police zu [...]

    Geschrieben von Making Of: Flying Förtress & The London Police » Streetart Berlin Blog | March 16, 2009, 21:36
  4. [...] Hey, die aus 22 prächtigen Figurenbesteht, die von 20 internationalen Designern, darunter auch Flying Förtress, Supakitch und Steph Cop, gestaltet [...]

    Geschrieben von Artoyz Elements Alpha Series » Streetart Berlin Blog | March 18, 2009, 20:13

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