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44flavours: „Am Ende geht es um Qualität“

44flavours' urban art ausstellung

44flavours’ Ausstellungsvorbereitungen

Vom urbanen Kunst-Kollektiv 44flavours habt ihr bestimmt schon gehört, wenn nicht lernt ihr es jetzt kennen!

44flavours, dass sind Sebastian Bagge und Julio Rölle, die seit einiger Zeit in Berlin leben. In ihren Urban Artworks, die zuletzt in der bielefelder Artists Unlimited Galerie zusehen waren, kombinieren sie ältere und neuere Techniken – so entsteht ein wilder Mix aus Siebdruck, Collagen, Linol- und Holzschnitte, Pinsel-Malereien und Sprühlacken.

Mit Julio sprachen wir nun über ihre Kunst, sie Selbst und ihre Vorlieben, die Unterschiede zwischen Streetart, Urban Art und Pop Art und Vielem mehr – aber lest selbst:

berlinpiraten: Warum 44 Flavours? Was bedeutet das? Wer seid ihr? Wo kommt ihr her?
44flavours: 44flavours ist der Name für ein Künstler und Grafik Design Duo. Der Name steht für eine große Vielfältigkeit an kreativen Ausdrucksformen, ähnlich wie in der Eisdiele, wo es eine Vielfalt an Geschmacksrichtungen gibt, die man beliebig kombinieren kann. Wir sind Sebastian Bagge und Julio Rölle und kommen aus Oldenburg und Osnabrück, haben uns in Bielefeld kennen gelernt und leben nun seid ein paar Jahren in Berlin.

berlinpiraten: Wie würdet ihr eure Arbeiten bezeichnen? Streetart? Urban Art? Pop Art?
44flavours: Das ist nicht so eindeutig einzugrenzen. Wir haben uns während des Studiums viel mit Pop Art Künstlern wie Robert Rauschenberg, Andy Warhol und Roy Lichtenstein beschäfftigt. Die Brücke zwischen unseren wurzeln, dem Graffiti, dem was uns heute umgibt, und der modernen Kunstwelt schlugen ganz klar Jean Michel Basquiat und Keith Haring. Sie haben sich in der bildenden Kunst etabliert und sind auf der Straße angefangen. Aber auch die Nouveau Réalistes aus dem Paris der 60iger Jahre haben uns fasziniert und geprägt.
Nicht zu vergessen die unzähligen Künstler, Gestalter und Writer, die hier in Berlin und dem Rest der Welt herumschwirren.
Für uns ist es sehr wichtig zu schauen, wie sich vieles im Laufe der Zeit entwickelt hat. Der Öffentliche Raum inpiriert uns. Es ist die Veränderung die Spass macht, die schnell-lebige, wie auch die ganz langsame, durch Witterung bedingte.
Wir bezeichnen uns selbst nicht als Street Artists. Allerdings werden wir da gerne reingdrängt, da man uns dann besser einordnen kann. Das ist ja wahrscheinlich das Problem an diesem Begriff, dass zuviel verschiedenes in einen Topf geworfen wird. Dann gibts nen schönen Eintopf und wir sind die Würstchen, die oben schwimmen. Das fällt mir gerade ein, da ich mir gestern einen schönen Wirsing Eintopf mit Mettwurst gemacht hab, der hat für 3 tage gereicht!

Unser ehemaliger Professor Jochen Geilen hat in seiner Eröffnungsrede, unserer letzten Ausstellung folgendes gesagt: »Es ist ein Treibhaus, postmodern, gebastelt und gegenwärtig. Dada, Surrealismus, Pop Art, Fluxus und-was-weiß-ich-nicht.alles geben sich die Hand.«

berlinpiraten: Wie seid ihr dazu gekommen?
44flavours: Bei Sebastian Bagge ist das Interesse für Gestaltung und Kunst auf seine Familie zurückzuführen. Sein Onkel war Drucker und sein Vater gelernter Schriftsetzer, so hat er sich schon früh mit dem Medien Druck und Typographie auseinandergesetzt. Diese Fähigkeiten und das frühe Interesse an allem was mit der subkultur Hip Hop und extrem Sportarten wie BMX und Snowboard zu tun hatte haben ihn dahin gebracht, wo er jetzt ist.
Ich (Julio Rölle) habe schon früh angefangen zu zeichnen und habe im Alter von 13 angefangen Graffiti zu sprühen. Verbunden mit vielen Reisen vor allem nach Frankreich und später nach New York, haben mich immer weiter hineingezogen in den Sog der Kunst. Später haben wir uns während unseres Studiums kennen gelernt. Während Sebastians Schwerpunkt anfangs eher bei knallharter, klassischer Typographie lag, durch die er sich durchgebissen hat, hab mich mich zu Beginn mehr mit Malerei, freier Illustration, Fotografie und Siebdruck beschäftigt.
In der Druckgrafik trafen sich dann die Wege und es wurde viel ausgetauscht.
2003 haben wir das Projekt des 44flavours Magazines gestartet, einer Publikation, die bisher 4 mal erschienen ist. Wir sehen das Magazin wie eine Art Netzwerk an dem wir stricken, einem Schal, der immer länger wird… leider hatten wir gerade im letzten Jahr wenig Zeit, da wir uns selbstständig gemacht haben, doch haben wir dieses Projekt nicht aufgegeben und werden so bald wie möglich eine neue Ausgabe herausbringen.

44flavours urban art

44flavours in Bielefeld

Unsere Diplomarbeit war dann ein Gemeinschaftsprojekt und bestand aus einem raumgreifenden tunnelartigen Gerüstaufbau, über den sich eine beidseitig intensiv bearbeitete Leinwand spannte. 70qm Multimix. Siebdruck, Collage, Malerei, Zeichnung, Graffiti. Unser Professor nannte es: »Eine Kunstbehausung mit durchaus politischer Implikation. Groß-Stadt-Raum.«

berlinpiraten: Wenn eure Kunst eine Musikrichtung wäre, welche wäre es dann?
44flavours: Ich würde auf jeden Fall auf eine bunte, laute Mischung tippen. Irgendwas zwischen Rap, Shantichor, Rock, Blackmetal, Elektro und Country. Auf jeden Fall ist Musik ultra wichtig für unsere Arbeit, sie regt unsere Kreativität an. Es macht sehr viel Spass mit Musikern zusammenzuarbeiten.
An dieser Stelle Props an Robert Koch, RQM, Hot Source Collective, Cee, Smith&Smart und Stefan Rogall.
Ansonsten mögen wir Dj Shadow, Bonobo, The Whitest Boy Alive, Gonzales, Feist, The Gossip, Roots Manova, the notorious B.I.G., Wu Tang, Nas…

berlinpiraten: Wie sehr beeinflusst eure Kunst euren Alltag? Was inspiriert euch?
44flavours: Da wir als Grafik Designer/ Künstler selbstständig sind, kann man sagen, dass uns unsere Kunst sehr vereinnahmt! Es ist daher verdammt wichtig ab und zu mal Abstand zu nehmen und gar nichts mit Kunst zu machen. Das gelingt uns äußerst selten. Vor allem schlaucht die Arbeit am Rechner, da sind freie Ausstellungsprojekte für uns oft, wie eine Pause, an die wir sehr locker herangehen.

Uns inspirieren freie Momente, Fehler, Zufälle, Feierabend Bierchen, Marker, Strukturen, und Bücher. Sebastian fährt gerne Fahrrad und ich spiel gern Fussball.

berlinpiraten: Welches Ziel habt ihr mit eurer Kunst? Welche Reaktion wollt ihr bei BetreachterInnen auslösen?
44flavours: Wir möchte den Betrachtern Freude bereiten oder vor den Kopf stoßen, Hauptsache es gibt eine Reaktion! Unser Ziel ist es weiterhin Spaß an dem zu haben, was wir machen. Mehr Reisen ist noch ein Ziel. Weniger am Rechner sitzen, noch mehr Malen, drucken und frei Arbeiten.
Wichtig ist auf jeden Fall, dass unsere Kunst gesehen wird.

berlinpiraten: Bei welcher Arbeit ist euch das am Besten gelungen?
44flavours: Schwer zu sagen, da müsste man jetzt eine(n) BetrachterIn fragen. Die Arbeit, an der wir am längsten gesessen haben war unsere Diplomarbeit. Seitdem hatten wir noch nicht wieder die Gelegenheit etwas ähnlich Aufregendes zu erarbeiten.
Die Zeit hat wahnsinnig viel Spaß gemacht und war geprägt durch exzessive Druck- und Mal-Sessions, nächtelang.

berlinpiraten: Gibt es Unterschiede bei Arbeiten für die Straße und denen für Galerien?
44flavours: Nein!

berlinpiraten: Was müsste ich tun um Artworks von euch geschenkt zu bekommen?
44flavours: Umsonst ist nicht mal der Tod!

berlinpiraten: Denkt ihr dass es einen wesentlichen Unterschied zwischen Streetart und Graffiti gibt? Oder ist das für euch alles Urban Art?
44flavours: Rätsel hat mal auf einen OneMan U-Bahn Wholecar geschrieben: »Street Art ist wie Inlineskaten«. Es gibt allerdings viele Toys in beiden Sparten und am Ende verschwimmt das Ganze – da wachsen dem Hardcore Skater plötzlich rollen unter den Turnschuhen.
Am Ende geht es um Qualität.

berlinpiraten: Was werden wir in Zukunft von euch sehen und würdet ihr einem Menschen empfehlen, der/ die selber aktiv werden möchte?
44flavours: Ich fahr morgen nach Paris und mache bei dieser Ausstellung mit:
Live Painting Exhibition 7 Samurais
Im Februar haben wir eine Ausstellung HHV Store in Friedrichshain geplant, genaue Daten werden sich in den nächsten Tagen herausstellen.
Im März machen wir bei einer Gruppenausstellung in der Superplan Galerie mit.
Im Mai gehts erst nach Thessaloniki (Griechenland) und dann sind wir in Brest (Frankreich), wo jeweils großflächige Mal-Aktionen stattfinden. Darauf freuen wir uns!
Leuten, die selbst aktiv werden möchten empfehlen wir: Werdet aktiv!
Nicht vergessen, dass man sich selbst nicht zu ernst nehmen sollte!

Wer sich weitergehend mit 44flavours und ihrer Urban Art auseinandersetzten möchte, kann die auf ihrem Blog, ihrer Webseite oder Myspace tun!

Diskussion
7 Kommentare zu “44flavours: „Am Ende geht es um Qualität“”
  1. [...] mit den jungs auf ihrer seite so: “am ende geht es um qualität”…zum interview hier [...]

    Geschrieben von 44flavours interview « | January 15, 2009, 20:35
  2. sind die beiden schwul?

    Geschrieben von ben | January 16, 2009, 12:13
  3. @ Ben: Sowas interessiert doch keinen Schwanz! Ob sie Vegetarier sind, das ist doch die Frage.
    kopfschüttelnd
    Matt

    Geschrieben von Matt | January 16, 2009, 13:38
  4. [...] Interview mit den beiden kreuzberger Artists, die ihre Arbeiten als Streetart auch in den berliner Straßen unterbringen, haben wir bereits vor [...]

    Geschrieben von 44flavours im Selected Store » Streetart Berlin Blog | March 4, 2009, 20:05
  5. [...] Artworks von 44flavours, L’atlas, Loomit, Evol & Pisa73, Boxi und Czarnobyl werden auch Arbeiten von Base23, Danny [...]

    Geschrieben von Nix Krise - Urban Art Ausstellung » Streetart Berlin Blog | March 13, 2009, 13:12
  6. Einfach ma auf nen drink einladen, dann wirste deine Antwort, ob so oder so, schon bekommen.

    Geschrieben von bla | June 6, 2009, 05:16
  7. Vielen Dank für den Bericht. Ich muss demnächst auch eine Artikel über die Jungs bringen und so konnte ich mir mal einen kleinen Überblick verschaffen. danke für das Interview. Super… Gruß – Dirk aus der Redaktion

    Geschrieben von Stuttgarter Zeitung | February 24, 2010, 10:21

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